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Burgen und Brücken - ein Wochenende zwischen Eifel und Hunsrück

Im Mai 2019, als man sich noch ganz spontan ins Auto setzen konnte und keinerlei Probleme hatte, eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu finden, bin ich spontan zum Fotografieren in Rheinland-Pfalz unterwegs gewesen


Wenn man sich als Fotografie-Junkie mit der Kamera bereits in den kanadischen Rocky Mountains oder auf den Vulkaninseln der Azoren herumgetrieben hat, packt einen natürlich früher oder später unweigerlich das Fernweh. Was tut man also, wenn man nur ein Wochenende Zeit hat und auch das Budget für eine Flugreise eher knapp bemessen ist? Man schnappt sich einen Mitstreiter, setzt sich in Auto oder Zug und sucht im Umkreis von etwa 350 Kilometern fotogene Landschaftsmotive.


Burg Eltz

Vielleicht eine der schönsten alten Burgen, die Deutschlands Mitte zu bieten hat - mit Sicherheit jedoch eine der am meisten besuchten, wie wir schnell erfahren mussten

In Rheinland-Pfalz, in der Ortsgemeinde Wierschem, liegt diese wunderschöne Burg aus dem 12. Jahrhundert


Früher Start

Will man dem Ansturm der Touristen noch einigermaßen entkommen, gibt es eigentlich nur 2 Optionen: entweder es regnet in Strömen oder man fährt so früh am Morgen wie möglich zu dieser Burg, in der Hoffnung das die anderen noch in den Federn liegen. Morgens gegen 4.45h klingelt mein Wecker, um 5.30h bin ich mit meinem Kumpel Sven verabredet, der ebenfalls verrückt genug ist, an einem freien Wochenende mit der Kamera bewaffnet ins benachbarte Rheinland-Pfalz überzusetzen. Nachdem die Dusche für eine erste Erfrischung sorgt, erledigt eine Rutsche Kaffee das Weitere und mit etwas Verzögerung geht es dann auch kurz vor 6h endlich auf die Autobahn, um aus dem beschaulichen Bottrop mitten im Ruhrgebiet den Weg in die Eifel zu finden. Die Fahrt verläuft weitestgehend entspannt, nicht zuletzt dank dem ein oder anderem Hit von David Hasselhoff, der aus den Boxen des Autoradios schallt.


Früh ist leider immer noch zu spät

Zwischen 8.30h und 8.45h erreichen wir die Burg Eltz und sind zunächst optimistisch

Als wir auf den offiziellen Parkplatz auffahren, sind wir überrascht - obwohl es schon 8.30h ist, befinden sich verhältnismäßig wenig PKWs auf dem Platz. Doch bereits in den wenigen Minuten, in denen wir unsere Kamerarucksäcke aus dem Kofferraum holen, kommen Schlag auf Schlag mehr Besucher - also schnell keine Zeit verlieren und zu Fuß die restlichen rund 1,3km runter zur Burg.


Ein Bus und noch ein Bus...und noch einer

Langsam aber sicher schwant uns, warum der Parkplatz noch verhältnismäßig leer gewesen ist - auf dem Weg nach unten zur Burg fährt ein Transferbus nach dem anderen an uns vorbei - alle bis oben hin voll mit Schaulustigen und Ausflüglern...


Timing ist Alles

Die größte Herausforderung ist es, gezielt die Momente zu erwischen, in denen niemand durch's Bild läuft

Als wir die Burg erreichen, können wir also endlich das zu tun, wofür wir hergekommen sind - Fotografieren! Pustekuchen! Die ersten Burgfräulein haben sich schon in Pose geschmissen und flanieren auf dem Weg zur Burg, diese macht sich schließlich prächtig als Hintergrund im Social Media Feed (so eigentlich ja auch unser Plan) Also heisst es den richtigen Moment abwarten und den Auslöser erst drücken, wenn nicht gerade zu viele Personen durch das Motiv laufen. Garnicht so einfach, denn der Strom der Busreisenden will nicht abreissen und auch die Busfahrer wissen natürlich, dass sich die Auffahrt zur Burg hervorragend zum Wenden eignet.


Am Ende wird alles gut

Der Trick ist, andere Perspektiven zu finden als die anderen

Wir haben es also auf gut Deutsch verkackt und sind morgens gegen 9h viel zu spät dran, um die Wunschmotive ohne Busse oder Touristen im Sucher zu bekommen. Jetzt sind wir aber schonmal hier und die altertümliche Burg ist wirklich sehr picturesque, vor allem durch ihre Lage mitten in der Eifel. Während (fast) alle anderen Besucher also straight in den Innenhof der Burganlage strömen, klappern Sven und ich auch die umliegenden Wege und Trampelpfade ab, begeben uns hinter die Burg und auf die höhergelegenen Aussichtspunkte. Tatsächlich kommen wir beide dann doch noch in den Flow und am Ende ist alles gut und die ein oder andere schöne Aufnahme ist im Sack.








Cochem an der Mosel

Gerade mal rund 5000 Einwohner und dennoch die größte Ortschaft der Gegend

Nachdem wir uns ca. 1,5 Stunden an der Burg Eltz aufgehalten haben, geht es immer der Mosel entlang ins rund 30km entfernte Cochem - die größte Ortschaft in der näheren Umgebung, und das bei gerade mal rund 5000 Einwohnern. Direkt an der Mosel gelegen, mit mittelalterlich anmutenden kleinen Gässchen und verwinkelten Straßen ein recht hübscher Ort, in dem wohl deutlich mehr Touristen unterwegs sein dürften als Einwohner. Entsprechend wuselig geht es hier um die Mittagszeit zu, so dass wir beschließen uns für den Rest des Wochenendes erstmal im örtlichen, zu unser Überraschung ziemlich gut ausgestatteten Supermarkt mit Proviant einzudecken. Nach einer Stärkung lassen wir uns im "Zentrum" von Cochem etwas treiben und entdecken dabei einen Straßenflohmarkt direkt entlang der Mosel. Das ganze hat schon so'n bißchen was von 80er-Jahre-Atmosphäre...und wer mich kennt, der weiß, dass dies nicht unbedingt negativ zu werten ist. Reizvoll zum Fotografieren dürfte vor allem die Reichsburg Cochem sein. Nur nicht unbedingt wenn die Sonne gerade am höchsten steht und der Himmel nahezu wolkenlos ist - beim nächsten Mal dann also bei Sonnenaufgang- oder Untergang oder bei neblig-trübem Wetter. Also brechen wir hier unsere Zelte für heute ab und fahren Richtung Unterkunft für unsere Übernachtung.

Buch im Hunsrück

Clap your hands, its Partytime

Weiter geht's in den Hunsrück, unser Ziel heisst "Buch", ein Dörfchen mit gerade mal knapp über 800 Einwohnern - hier gibt es wirklich NIX, dennoch bietet die Unterkunft von Rebekka alles, was wir brauchen. Eine großzügige, saubere Wohnung mit voll ausgestatteter Küche und Breitband-Internet zu einem unschlagbaren Preis - und das ganze 5 Autominuten von unserem nächsten Ziel entfernt! Nach der Wohnungsübergabe durch die Gastgeberin ist dann auch erstmal ne kleine Pause angesagt und bevor wir nochmal losziehen, gibt es Abendessen und dazu noch ne Runde David Hasselhoff aus den Speakern des Smartphones "Clap your hands, it's Party Time - Do the Limbo Dance!"

Mörsdorf

Kleine Orte, große Bauwerke

Nach dem Abendessen juckt uns nochmal der Auslösefinger und wir beschließen die goldene Stunde zum Fotografieren zu nutzen. Da wir an diesem Wochenende aber die Trödler vor dem Herrn sind, wird aus der goldenen Stunde dann doch eher die blaue. Als wir gegen 22h im beschaulichen Mörsdorf ankommen, ist das Licht alles andere als spektakulär. Trotzdem marschieren wir noch zu einem der imposantesten Bauwerke Deutschlands - mitten im Nirgendwo am Rande einer Ortschaft mit 581 Einwohnern. Geierlay Hängeseilbrücke

360 Meter auf dem Holzweg in 100 Metern Höhe

Fast schon im Dunkeln erreichen wir die Hängeseilbrücke Geierlay - bis 2017 die längste Hängeseilbrücke Deutschlands und bis heute eine der längsten in ganz Europa. Über den praktischen Nutzen der 360 Meter langen Fußgängerbrücke zwischen den Ortsgemeinden Mörsdorf und Sosberg, die rund 1,14 Millionen Euro gekostet hat, kann man streiten - sie sieht aber zweifelsfrei ziemlich geil aus! Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung wurden über 370 000 Besucher gezählt, Tendenz steigend. Demzufolge treffen wir selbst abends zwischen 22.30h und 23h immernoch jede Menge andere Besucher an und beschließen, am frühen Morgen des nächsten Tages zurückzukehren.


Neuer Tag, neues Glück

Der frühe Vogel kann uns mal

Nach einer relativ kurzen Nacht (die für Sven kürzer war als für mich, weil er noch die halbe Nacht Bilder bearbeitet hat), klingelt dieser verdammte Wecker schon wieder deutlich vor 5h morgens! Was soll's - Kaffee rein und ab ins Fahrzeug, schließlich sind wir nicht zum Schlafen hier! Als wir eine halbe Stunde später in Mörsdorf eintrudeln, schläft tatsächlich das ganze Dörfchen noch und wir bekommen sogar einen kostenlosen Parkplatz direkt am Fußweg zur Hängebrücke. Hier sollte man übrigens einplanen, dass man von den (teils kostenpflichtigen) Parkplätzen immer mindestens noch 1,7 bis 3 Kilometer Fußweg einplanen muss, die direkte Anfahrt zur Brücke ist nicht möglich! Gegen 6.45h sind wir trotzdem nicht die Ersten an der Brücke! Eine Handvoll anderer Fotografen hatte den selben Plan wie wir und sich zum ersten Licht des Tages an der Brücke eingefunden. Trotzdem haben wir das unglaubliche Glück, zwischendurch für eine gute Viertelstunde wirklich komplett alleine an der Brücke zu sein - im Regelfall fast so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto oder zweimal vom Blitz getroffen zu werden! Glaubt ihr nicht? Googelt einfach mal "Hängeseilbrücke Geierlay Touristen" und guckt euch die Besuchermaßen an einem Sommertag an - Donald Trump könnte von so einem Ansturm zu einer seiner Wahlkampfreden nur träumen! 2 Stunden später lassen wir es dann auch gut sein und machen uns langsam auf den Rückweg zum Auto.

Zurück in die Zukunft


Wieder am Auto angekommen, bekommen wir die Bestätigung, dass wir alles richtig gemacht haben - das kleine Mörsdorf ist mittlerweile komplett zugeparkt und die ersten Reisebusse überrollen den winzigen Ort auch bereits. Also nix wie weg hier, vorbei an gefühlt einigen Kilometern geparkten Autos - wenn's einmal was umsonst zu sehen gibt... Auf unserem Rückweg touchieren wir nochmal Cochem und halten kurz an der Burgruine Winneburg, die aber nicht wirklich lange zum Verweilen einlädt. Auch hier wahrscheinlich wieder ein ziemlich geeignetes Motiv bei Nebel und Zwielicht, in der prallen Vormittagssonne eines Frühsommertages aber eher unspektakulär aus Fotografen-Sicht. Auf dem Rückweg ins Ruhrgebiet versüßen wir uns die Fahrt mit weiteren Perlen aus der Hasselhoff'schen Diskografie und man muss echt zugeben, dass der Bengel das ein oder andere Ass im Ärmel hatte. Einstimmig wird beschlossen, dass seine Version des deutschen Schlagers "Du" zum Gewinner des Wochenendes auserkoren wird - auch als wir am frühen Nachmittag wieder im Ruhrgebiet angekommen sind, bleibt das Dingen noch ne Weile im Ohr hängen.

Verwendetes Equipment

Begleitet an diesem Wochenende hat mich meine Canon EOS 7D Mark II in Kombination mit dem Canon 17-40mm f/4 L Zoom Objektiv . Außerdem mit im Rucksack befand sich eine Telebrennweite, das Canon 100-400mm L IS II und das Ultraweitwinkel Canon 10-18mm STM. Außerdem habe ich meine alte Analog-Kamera mit eingepackt. Eine Minolta XG 2 von 1977 mit einer 50mm f/1.4 Festbrennweite, einer 28mm f/2.8 Festbrennweite und einem 135mm f/2.8 Teleobjektiv. Verwendet wurde ein Kodak Gold 200 Kleinbildfilm. Gefilmt wurde neben der 7D Mark II mit einer DJI Osmo Pocket.





 

Für weitere Infos und das Ganze in bewegten Bildern, gibt es auch einen Vlog auf meinem YouTube-Kanal - schaut gerne mal rein!


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