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  • AutorenbildKai Ski

Spielzeug vs. Regenwetter

Ein verregneter Sommer, trübes Herbstwetter oder kurze Wintertage und trotzdem hast du Bock dir einfach die Kamera zu schnappen und los zu fotografieren?

Vielleicht liegt ja irgendwo noch Spielzeug herum...

Wer kennt das nicht? Du hast endlich mal ein paar Stunden Zeit zum Fotografieren, schnappst dir die Kamera und...draussen regnet es in Strömen, das Licht ist ziemlich bescheiden oder der ganze Tag einfach nur trüb und ungemütlich...

"Gut, dann fotografiere ich halt irgendwas zuhause in den eigenen vier Wänden"; So weit, so gut...aber WAS lässt sich ohne viel Aufwand, wenig Vorplanung und auf kleinstem Raum spektakulär in Szene setzen?

Der Hund ist schon genervt, wenn er die Kamera nur schon wieder sieht, die Zimmerpflanzen für das X'te Makro-Shooting verlieren auch langsam an Reiz...

Unruhig streift man von Raum zu Raum, jede Ecke wird inspiziert, jedes Teil im Zimmer als Fotomotiv in Erwägung gezogen - Buntes aus dem Obstkorb? Puh...Experimente mit Seifenblasen? Alles schon mal dagewesen. Mhh...vielleicht gibt der Dachboden, die Garage oder der Keller ja noch etwas her? Tatsächlich! Da sind ja noch die Kartons vom letzten Umzug, die irgendwie vergessen wurden! Und siehe da - einer der Kartons entpuppt sich als wahre Goldgrube als ich meine fast vergessenen Spielzeugfiguren wiederentdecke!


Star Wars oder MOTU?

Ein paar bespielte Star Wars Figuren aus meiner Kindheit, eine Kiste mit abgeliebtem Masters of the Universe Kram, eine Planet der Affen Figur hier, ein Graf Orlok in seiner Originalverpackung dort - noch vor 20 Minuten hatte ich keine Ahnung, was ich fotografieren könnte, jetzt habe ich die Qual der Wahl und die Ideen sprudeln nur so aus meinem Kopf.


Letztendlich entscheide ich mich für zwei absolute Klassiker der Horrorfilmgeschichte. Niemand geringeres als Jason Voorhees aus "Freitag, der 13." sowie Freddy Krueger aus "A Nightmare on Elm Street" dürfen als Erste vor die Kamera und mir als geduldige Fotomodelle dienen. Beide Figuren stammen aus der längst vergriffenen "Movie Maniacs Series 1", die 1998 bei McFarlane Toys erschienen ist.


Viel Liebe fürs Detail

Schon damals bei Erscheinen der Figuren vor über 20 Jahren war ich fasziniert von der Detailtreue der Figuren - hier steckt Liebe drin und das merkt man! Auch sehr vorteilhaft und absolut nicht selbstverständlich für Action-Figuren aus dem letzten Jahrhundert, ist bei diesen Exemplaren auch die Möglichkeit durch die beweglichen Gelenke verschiedenste Posen zu kreieren. Für mein Beispiel will ich es aber möglichst einfach halten und entschließe mich, eine Art "Freddy vs. Jason" zu inszenieren - auch wenn der gleichnamige Film mich nie wirklich begeistern konnte, ist die Grundidee doch schon ziemlich reizvoll!

Da ich das fertige Bild schon vor meinem geistigen Auge sehe, kann es direkt mit der praktischen Umsetzung losgehen

Unsere beiden Anti-Helden sollen sich Auge in Auge gegenüberstehen, sich stumpf fixieren, so als wenn sie sich jeden Moment gegenseitig an die Gurgel springen... Um diese Spannung zwischen den beiden Kontrahenten zu zeigen, wähle ich einen relativ engen Bildausschnitt, bei denen die Gesichter (in Jason's Fall die charakteristische Hockey-Maske) im Fokus stehen. Gleichzeitig sollte der Bildausschnitt aber auch weit genug sein, um Freddy's Handschuh und Jason's Machete noch deutlich zu erkennen - ich platziere die Kamera also so, dass beide Oberkörper bis zur Gürtellinie im Bild sichtbar sind.

Das "Set-Up" · Unerlässlich ist auch in diesem Fall mal wieder ein ausreichend stabiles Stativ. Da ich hier sehr bodennah arbeite, reicht dazu ein sogenannter "GorillaPod" für DSLRs vollkommen aus und gibt mir in Kombination mit einem Kugelkopf die nötige Flexibilität.

· Zum Einsatz kommt meine Canon EOS 7D Mark II, da sie mit 10 Bildern pro Sekunde auslöst - warum das eine Rolle spielt, erläutere ich noch im späteren Verlauf. · Die Brennweite sollte nicht zu kurz sein, ich empfehle mindestens 85mm an Vollformat oder 50mm an einer Kamera mit Crop-Faktor.

Ich selber verwende ein Canon EF-S 60mm 2.8 USM Makroobjektiv. Der Vorteil an einem Makroobjektiv ist natürlich die enorme Detailschärfe sowie die Möglichkeit wirklich sehr nach an das Motiv herangehen zu können. Mit einer Offenblende von 2.8 kann man somit den Hintergrund fast ausblenden und die Hauptmotive schön freistellen. · Für die Ausleuchtung sorgen Mini-LED-Leuchten, die man für wenig Geld im Fachhandel bzw. in einschlägigen Online-Shops erhält. Mein 2er-Set kommt direkt mit verstellbaren Mini-Stativen, verschiedenen Farbfolien und der Möglichkeit die Lichtintensität zu dimmen.


Mein "Key-Light", also die Hauptlichtquelle, trifft von schräg oben auf die beiden Figuren, versehen mit einer blauen Farbfolie um der Situation eine kalte, unheimliche Atmosphäre zu verleihen

Zusätzlich setze ich eine zweite LED-Leuchte als "Back Light" ein - eine Gegenlichtquelle, die der ganzen Szene erheblich mehr Plastizität und Tiefe verleiht. Dieses Licht platziere ich auf der gegenüberliegenden Seite von schräg unten und dimme die Intensität auf etwa 50%.

Da die Aufnahme natürlich bei dunkelster Nacht spielen soll, benutze ich einfach einen schwarzen Faltreflektor als Hintergrund, den man schon für unter 10,- EUR bekommt - zur Not tut´s natürlich auch schwarzer Fotokarton oder irgendein schwarzer Stoff.

Nun muss ich nur noch die Kamera richtig positionieren und mit Hilfe des Displays eine geeignete Komposition finden.


Ich fokussiere manuell und kann dadurch mit Hilfe der Lupenfunktion auf dem Display meinen Schärfebereich absolut exakt festlegen

Zur Bestimmung der Belichtung verlasse ich mich bei dieser Nachtszene nicht wirklich auf den internen Belichtungsmesser der Kamera, sondern setze einfach auf's Herumexperimentieren mit Blenden-, Zeit- und ISO-Werten. Dabei orientiere ich mich fast gänzlich an meinem Histogramm, welches ich an meiner Kamera schnell ein- und ausblenden kann. So komme ich ziemlich fix an meine stimmungsvolle Low-Key-Aufnahme, wie ich sie vorher schon im Kopf hatte.

Nach einigen Probeaufnahmen bin ich soweit schon ziemlich zufrieden mit den ersten Ergebnissen. Hier das unbearbeitete RAW, direkt aus der Kamera


Eine gute Grundlage, so richtig spannend wird das Ganze aber noch mit ein paar "Special Effects"

Hier könnt ihr eurer Phantasie wirklich freien Lauf lassen! Eine Explosion im Hintergrund, umgesetzt mit Wunderkerzen oder Knallkörpern (bitte nicht in geschlossenen Räumen und nur mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen!), atmosphärischer Bodennebel durch Trockeneis oder mit Mutter´s Dampfbügeleisen realisiert, oder aufgewirbelter Staub - die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und es macht wirklich einen Höllenspaß herumzuprobieren und kreativ zu werden!

Blut, Schweiss und...REGEN!

Um der ganzen Szene also noch mehr Dramatik zu verleihen, entscheide ich mich das Duell im strömenden Regen stattfinden zu lassen. Mit einem einfachen Zerstäuber und Leitungswasser verteile ich ein paar Sprühstöße über den Köpfen der Beiden und mache mir die schnelle Serienbildgeschwindigkeit der 7D Mark II zu nutze - bei 10 Bildern pro Sekunde halte ich den Auslöser meines Fernauslösers auf Dauerfeuer und kann später in der Nachbearbeitung aus einer Vielzahl von geeigneten Bildern auswählen. Jetzt kommt mir auch das Gegenlicht zu Gute - die Kombination aus Lichtreflexen und Wassertropfen zaubern ein tolles Bokeh und geben den Bildern den letzten Feinschliff! Die anschließende RAW-Entwicklung und Nachbearbeitung in Adobe Lightroom® und Adobe Photoshop® fallen dementsprechend flott aus und reduzieren sich auf das nötigste.

Das fertige Werk


Hat euch das Fieber einmal gepackt, dann lassen sich mit nahezu allen denkbaren Spielzeugen und den kuriosesten Hilfsmitteln auf kleinstem Raum die packendsten Szenarien umsetzen

Eine gute Quelle für eure "Hauptakteure" aber auch für die Requisiten sind natürlich neben Spielzeugmärkten- und Messen die meisten An- und Verkauf-Geschäfte, Trödelmärkte, Garagenflohmärkte oder auch Baumärkte und Bastelgeschäfte.

"Leatherface", ausgeleuchtet durch 2 Lichtquellen mit Farbfiltern und Räucherstäbchen für den Nebeleffekt



Jason vs. Leatherface ausgeleuchtet durch 2 Lichtquellen mit Farbfiltern



"In Frankenstein's Labor", Fensterlicht und 2 Lichtquellen, Nebel erzeugt durch ein abgebranntes Streichholz



"Garbage Monster", Fensterlicht und 2 Lichtquellen, Nebel erzeugt durch ein abgebranntes Streichholz, Blitzeinschlag in Adobe Photoshop® digital hinzugefügt



"Der dunkle Lord Hippe Helmchen",

Ü-Ei-Figur in Gemüsehobel, Fahrrad-LED als Gegenlichtquelle, Taschenlampe als Hauptlichtquelle, abgebranntes Streichholz für den Nebel, Bewegungsunschärfe und Leuchteffekt des Lichtschwertes nachträglich in Adobe Photoshop®



"Jason Voorhees im Blutrausch", 3 Lichtquellen, Weizenmehl als Schnee, Blut durch rotes Duschgel Der Schnee wurde komplett so fotografiert wie abgebildet, keines der Bildelemente wurde nachträglich hinzugefügt oder weggenommen.

Ihr wollt noch mehr sehen?

Ich hoffe doch, mein kleiner Ausflug in die Miniaturwelt der Spielzeugfiguren hat euch gefallen und vielleicht ja sogar motivieren können, es selber einmal auszuprobieren? Mir hat das Ganze jedenfalls jede Menge Spaß gemacht und ich bin sicher, dass ich immer mal wieder die ein oder andere Spielzeugszene fotografieren werde.


Wenn ihr zukünftig gerne weitere solcher Ergebnisse sehen würdet, dann lasst mir doch einfach einen Kommentar hierzu da! Gerne poste ich auf meinen verschiedenen Kanälen zukünftige Projekte!

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